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Treffen der Vorsitzenden der Berufsverbände

mit dem KV-Vorstand und den Abteilungsleitern

anwesende Psychotherapeuten: Dr. Elvira Lüdemann für die DGAPT,

Dr. Helga Bernt für den BDP und Karen Franz für IG/Vereinigung




Persönlicher Bericht zum

Treffen der Berufsverbände mit dem Vorstand der KVMV am 19.03.03


Vorab etwas zu den Peanuts. Frau Dr. Mager wünschte mich unter vier Augen zu sprechen und fragte mich, ob ich denn auch bereit wäre, unentgeldlich im Beirat des KV-Journals mitzuarbeiten. Es werde davon ausgegangen (Vorstand? Journal-Beirat?), dass ich ohne Aufwandsentschädigung wohl nicht bereit wäre, mitzuarbeiten. Ich teilte mit, dass ich dann unentgeldlich mitarbeite, wenn das auch alle anderen Beirats-Mitglieder tun. Erhält der redaktionelle Beirat des KV-Journals jedoch eine Aufwandsentschädigung, erwarte ich auch eine solche. Frau Dr. Mager will das so weiterleiten.

Das war der Auftakt und macht die Integrationsunwilligkeit schon bei den kleinen Dingen deutlich.


1. Dr. Eckert

Wie üblich, eröffnete Dr. Eckert die Veranstaltung mit einem Vortrag zu aktuellen Entwicklungen, zitierte aus der Schröder-Rede vom 14.3. und entwickelte ein bedrohliches Szenarium, in dem viel von Versichertenboni für den Besuch von Gesundheitszentren, in denen Ärzte und Psychotherapeuten angestellt arbeiten (=>Poliklinik), die Rede war. Er kritisierte in dem Zusammenhang massiv den Hausärzteverband BDA, der durch seine Zustimmung zu diesen Modellen die “Freiberuflichkeit für ein Linsengericht verkauft” habe. Er selbst versuche, durch Vorträge über das DDR-Gesundheitssystem die Euphorie bezüglich Gesundheitszentren zu dämpfen. Er warnte davor, dass durch Veränderungen in den KV-Strukturen die Prüfgremien dem Staat unterstellt würden und Kollektivregresse im Arzneimittelbereich auf die Ärzte zukämen.

Durch den Sieg der KVMV vor dem Landessozialgericht bezüglich der Gesamtvergütung 1992 seien Verhandlungen mit der IKK möglich geworden, durch die über einen Zeitraum von 2003 bis 2005 jetzt 10 % (pro Jahr 3 1/3 % Anhebung der Gesamtvergütung) mehr Geld gezahlt werden soll. Derzeit liefen diesbezügliche Verhandlungen auch mit den BKKen.

Dr. Eckert monierte den extrem hohen Arzneimittelverbrauch in M-V. Die Zuwächse von 10 % und mehr pro Jahr bei hoher Ausgangsbasis seien nicht plausibel erklärbar. Würde der Arzneimittelverbrauch im mittleren Bereich liegen, gäbe es bessere Chancen bei Honorarverhandlungen mit den Krankenkassen.

Die Chirurgen in M-V hätten eine Initiative zur Erreichung höherer Honorare gestartet, sie würden sonst in Einzelleistungsvereinbarungen gehen müssen. Dr. Eckert betonte, die KVMV unterstütze alle Verträge dieser Art, die besser seien als die von der KVMV selbst ausgehandelten Abschlüsse.

Die Psychotherapeuten würden seit 2002 extrabudgetär mit 7,3 Pfennig für die antrags- und genehmigungspflichtige Psychotherapie honoriert, damit sei der letzte Beschluss des Bewertungsausschusses umgesetzt worden. Der Fallwert würde ständig steigen, die Fallzahl ebenso (?, ist mir unklar), der Umsatz sei nicht gestiegen und liege bei durchschnittlich 130000 bis 140000 DM. => Anmerkung von mir: es wurde nicht erwähnt, ob hier PP und ÄP unter 90% G IV EBM zusammengefasst wurden. Legt man die Zahl von durchschnittlich 20 Sitzungen pro Woche, die die KVMV gern mal polemisch verwendet, zugrunde, würden sich bei unwahrscheinlichen 50 (!) Arbeitswochen pro Jahr 130 bis 140 DM Stundenhonorar ergeben. Davon wüssten wir aber! Aber vielleicht sind die durchschnittlichen 20 Sitzungen pro Woche ja auch durch Einbeziehung von ÄP unter 90 % G IV entstanden, die “nebenbei” mal ein bisschen Probatorik erbringen? Also wieder mal das übliche Jonglieren mit der Statistik.

Dr. Eckert betonte, dass die Punktwerte der Psychotherapeuten nicht zufriedenstellend seien und der Vorstand sich weiter um bessere bemühen werde (insbesondere IKK-Probatorik). Hier habe ich nachgehakt und gefragt, ob die Äußerung des Justitiars Oliver Kahl in einem Schreiben an eine PP-Kollegin, es sei bereits ein “angemessenes Vergütungsniveau” für die Psychotherapeuten erreicht, dann die Auffassung des KV-Vorstandes widerspiegele. Er wich aus. Justitiar Schmidt warf assistierend Nebelkerzen, indem er meinte, dass im Außenverhältnis gegenüber den Krankenkassen die Honorierung als nicht angemessen betrachtet würde, im Innenverhältnis sei aber eine angemessene Verteilung zwischen den Fachgruppen gegeben und so sei das gemeint gewesen. Die KVMV würde ja auch unsere Musterklage begleiten...(?). Auf mein Insistieren hin sagte Dr. Eckert schließlich: “Es gibt in der KV keine angemessene Vergütung.”


Im Anschluss daran hielt Herr Martensen einen teilweise schwer verständlichen Vortrag über die Beschlüsse des erweiterten Bewertungsausschusses, den EBM 2000+ und den neuen HVM der KVMV ab dem 3. Quartal 2003. Die Beschlussvorlage zum neuen HVM für die Vertreterversammlung am 29.03.03 wurden ausgehändigt. Für uns wesentlich ist, dass unsere Punktwerte weiterhin extrabudgetär vergütet werden und unsere Leistungen nicht zusätzlich im HVM budgetiert sind.


Angeregte Diskussionen konnte ich an keiner Stelle bemerken, die Veranstaltung hatte mehr informativen Charakter.


Nach Abschluss der Veranstaltung habe ich Dr. Eckert auf seine fehlenden Antworten auf die Briefe der IG zum Thema Integration der Psychotherapeuten angesprochen. Er meinte, wie zuvor auch schon Frau Dr. Mager, wenn der Brief an “Dr. Eckert -persönlich-“ adressiert sei, müsse er ihn nicht dem Vorstand zur Beratung vorlegen. Ich wies darauf hin, dass die Briefe auch an ihn in seiner Funktion als Vorstandsvorsitzender der KVMV adressiert gewesen seien und wir in erster Linie an einer Antwort von ihm interessiert seien, weniger daran, wem er diesen Brief sonst noch aushändige. Dr. Eckert äußerte auch, dass er in ähnlicher Angelegenheit einen Brief von Frau Dr. Karin Hübener erhalten und diesen bereits beantwortet habe. Ich wies ihn darauf hin, dass das nichts daran ändere, dass der Sprecherrat eine Antwort von ihm erwarte. Frau Dr. Hübener sei nicht durch eine Wahl in einem Berufsverband legitimiert, die Psychotherapeuten berufspolitisch zu vertreten und habe das mit ihrem Brief wohl auch nicht beabsichtigt. Dr. Eckert meinte, er habe uns ja nun schon mündlich geantwortet. Dem widersprach ich. Daraufhin meinte er, Kooptierung in den Vorstand sei (sinngemäß von mir wiedergegeben) nicht mehr zeitgemäß, wir würden doch als erste in Einzelleistungsvereinbarungen gehen wollen und aus der KV aussteigen. Weiterhin wies er auf seine Bemühungen bei der extrabudgetären Vergütung der Psychotherapeuten hin, die Tendenz sei doch positiv. Und wenn die 10% Zuwachs der IKK und evtl. BKKen in den nächsten drei Jahren noch kämen, würden wir doch auch reichlich bedient werden. Frau Dr. Lüdemann sprach noch einmal an, dass im BFA keine ÄP vertreten seien, die überwiegend psychotherapeutisch tätig seien, weil die Vorschläge der IG bei der Berufung übergangen worden seien. Sie meinte, die ÄP des Landes müssten froh sein, von den PP so gut mit vertreten zu werden. Dr. Eckert reagierte damit, dass er die Zusammenarbeit zwischen Vorstand und beratendem Fachausschuss für Psychotherapie als sehr gut bezeichnete, er wisse da von keinen Schwierigkeiten.

Auf mein Anliegen, zwischen ihm und dem IG-Sprecherrat einen Gesprächstermin zu vereinbaren, ging er nicht ein. Wir werden es weiter über sein Sekretariat versuchen.


Fazit: Die Integration der Psychotherapeuten in die Gremien der KV und in die Verhandlungsführung mit den Krankenkassen ist seitens der KV nicht gewollt. Eine offene Konfrontation wird durch allerlei Winkelzüge derzeit jedoch vermeiden.



K. Franz

Grevesmühlen, den 20.03.2003